[Country Flag of Bosnia and Herzegovina] 2. Tag

 
 

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2. Tag (Hinfahrt)

Nach kurzem Frühstück und einem erneuten Abstecher in die Altstadt und über den Markt ging die Fahrt weiter. Mittlerweile hatten die Hügel schon einiges an Höhe zugelegt, die Wälder wurden dichter und mittendrin tauchte dann schon mal eine Rauch und Abgase produzierende Fabrik aus der Frühgeschichte der Industrialisierung auf, bei der man mitten in die brennende Öfen schauen konnte.

Gegen Mittag machten wir Halt in Travnik, um unsere Verabredung Azem und mehrere Portionen großartiges Cevapcici zu treffen. Das Resto lag an einem Bachlauf, der bei Bedarf mehrere große Lamm-Grille mit Wasserantrieb in Bewegung gesetzt hätte. Leider hatte es kurz zuvor geschüttet und Zeit fürs große Essen war auch noch nicht. Die Cevapcici-Portionen hätten allerdings auch ausgehungerte Zehnkämpfer ernähren können.
Nach dem Essen stand wieder ein kurzer Spaziergang an. Waren die ersten Eindrücke bei unserer Einfahrt in die Stadt noch die Einschlaglöcher in zwei Hochhäuser gewesen, so kamen wir nun an friedlicheren Stätten vorbei; an einer zwar abgeschabten, aber dennoch einst recht bunten Moschee, einem Holz-Minarett einer anderen Moschee und einem Bogomilen-Grab. Das Holz-Minarett war schon eine Ausnahmeerscheinung, auch wenn es im ersten Moment recht unspektakulär erschien. Immerhin war es einerseits nicht zerstört worden, andererseits gehörte es auch nicht zum saudischen Aufforstungsprogramm, das vorsieht, über allen bosnisch-moslemischen Städten und Dörfern betongraue Fließband-Minarette abzuwerfen.

Travnik ist die Partnerstadt von Leipzig, und wir fragten uns schon, wer hier wen beim Wiederaufbau unterstützen kann. Beide Orte pflegen eigentümliche Sprachgewohnheiten: Leipzig sowieso, und in Travnik fiel uns ein Laden mit der Bezeichnung „Dragstor“ auf.
Die Angewohnheit, englische und deutsche Begriffe zu übernehmen und der eigenen Schreibweise anzupassen, soll aber in Bosnien gang und gäbe sein.

Wir setzten unsere Fahrt fort und kamen am frühen Abend in Sarajevo an. Der erste Anblick war trotz der vorhergehenden fast beiläufigen, aber ja dennoch nachhaltigen Eindrücke der sichtbaren Kriegsfolgen ein mächtiger Schock: Das riesige, zusammengestürzte Gebäude der “Oslobodenje“. Daneben zerschossene, entleerte Hochhäuser in denen abgerissene Gestalten anscheinend dauerhaft provisorische Unterkunft gefunden haben, und weiter entlose Reihen olympischen Bauwahns aus den 80er Jahren, die aber – leider, muss man wohl sagen – jeglicher Sprengung standhielten. Bevor das Hirn Ruhe geben konnte, ging es auch schon von der schnurgeraden Hauptstraße ab und an einem der Hügel hinauf. Hier waren die kleineren Häuser in der Überzahl, inklusive Gärten und wieder der ein oder anderen zerschossenen Fassade. Hier wohnen Una und Darko, unser erster Sammeltreffpunkt und für einige auch die heutige Übernachtungsmöglichkeit.

...wird fortgesetzt